dieBand

Rekorder - Lass uns reisen ...

... zu den Ursprüngen der Band.

2002 gab es für Claudio D'Ambrogio erstmals kein "aber" oder "na ja" mehr. Vor 1996 kam für den Sänger und Gitarristen nur englischsprachige Musik in Frage. Deutsch zu singen, war für ihn verpönt und uncool, hatte mit Deutsch-Rock zu tun, ein veraltetes, verstaubtes Konzept. Bis er bei einer Band namens Stereo einstieg, die sich schon an deutschsprachiger Musik probierte. "Wenn alle Menschen schlafen" floss Claudio als erster eigener Textversuch aus der Feder. Deutsche Texte dauerten zwar länger, bedeuteten mehr Arbeit, aber beim Schreiben merkte D'Ambrogio schnell, sich in der Muttersprache auszudrücken ist doch viel geiler. Also blieb er dabei als Rekorder gegründet wurde und die guten Feedbacks bei den zahlreichen Konzerten und Festivals gleich zu Beginn taten ein Übriges, auf diesem Weg zu bleiben. Der eigene Stil war schnell gefunden, eine Art deutschsprachiger Alternative Rock, sehr dynamisch, mit Höhen und Tiefen, ruhigen Passagen und druckvollen Refrains, viel Power und nicht minder viel Melodie und auch Gefühl. Alles andere als biederer Deutsch- Rock. Auch wenn man das Rad nicht wirklich neu erfinden kann. Der oft geäußerte Vergleich zu Künstlern wie Nationalgalerie oder Selig wird dabei weniger als Hinterfragen der eigenen musikalischen Identität denn als Kompliment aufgefasst.

... zur Idee des Bandnamens.

Der Rekorder ist ein Gerät zum Aufzeichnen von akustischen Sinneswahrnehmungen. Diese Definition findet man bei Wikipedia. Und sie ist ganz im Sinne der Band. Für Musiker, für die der gute alte Kassettenrekorder noch eine Rolle in der - nicht nur musikalischen - Sozialisation spielte, kommen dabei durchaus auch nostalgische Gefühle auf. Ganz positive versteht sich. Schließlich nahm man für Menschen, die einem wichtig waren, gerne Mixtapes auf. Und die wurden nicht selten wie der Augapfel gehütet, waren oft direkte oder versteckte Liebesbotschaften. Da war Sinnlichkeit im Spiel. Diese Art "Retro"-Aspekt greift man gerne auf, auch für die eigene Musik und für die Emotionen, die dabei im Spiel sind. Der Rekorder steht auch für die analoge Welt und wenn man auch keine Grundsatzdiskussion analog versus digital daraus ableiten will: das Analoge assoziiert Wärme, Ehrlichkeit und Erdigkeit. Begriffe, die die Band Rekorder für ihre Arbeit gern in Anspruch nimmt. Der Name Rekorder ist dabei auch ein Sinnbild für den eigenen Prozess des Aufnehmens und Wiedergebens. Eindrücke werden zu Inspirationen, dann zu Geschichten. Authentizität ist dabei wichtig, egal, ob die Geschichten nun real oder fiktiv sind.

... nach außen und nach innen ...

Auch wenn das Album "Lass uns reisen" ein Fernwehalbum ist, geht es nicht um das Reisen an reale Orte. Es ist mehr das Reisen im Kopf. Oder die Seele auf Reisen zu schicken. Es geht um Träume und Sehnsüchte, um den Weg zum Ich. Begriffe wie Selbstfindung sparen wir einmal bewusst aus. Und es geht - oft zeitlich begrenzt - auch um eine Reise zum Wir, dann nämlich, wenn man einen Menschen trifft, der denselben Weg vor sich hat und es einfach zusammen passt. Spannend soll das Leben sein. Neues erleben und Erfahrungen machen, die zu Entdeckungen und Veränderungen führen. Stagnation gehört nicht zu diesem Entwurf.

... von Konzert zu Konzert ...

... und dabei Menschen treffen, denen man die Chance gibt, in die Musik und die Geschichten einzutauchen. Rekorder geht es nicht darum, dem Publikum Texte vorzusetzen, die Autobiografisches präsentieren und den Sänger allein in den Fokus allen Interesses stellen. Der Zuhörer soll den Spielraum haben, sich selbst in den Storys wieder zu finden. Das ist spannender, auch für die Musiker, wenn sie dann mit den Interpretationen ihrer Fans konfrontiert werden und so selber Neues über ihre Musik erfahren. So wird die Spannung erhalten, bleibt alles in Bewegung, die Interaktion lebendig und anregend für alle.